Klicktipp: Medienpädagogik Praxis Blog

Mit dem Smartphone kurze Clips drehen, witzige Sprechblasen in Fotos einfügen und Memes gestalten oder mit Minecraft ganze Welten entstehen lassen: Wäre das nicht auch was für eine Gruppenstunde in einem Jugendverband?

Der Medienpädagogik Praxis Blog, herausgegeben von Eike Rösch (der selbst aus einem Jugendverband kommt), versammelt unzählige praktische Projekte, Klicktipps, Tools und Hintergrundinformationen zur medienpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ebenso bietet er kostenlosen Content, kostenlose Software und eine lange Liste von nützlichen Apps, die man für die niederschwellige medienpädagogische Arbeit im Jugendverband nutzen kann – oder die auch einfach ganz praktisch sind, wie zum Beispiel eine App mit Kinderliedern zur freien Verwendung (super geeignet als Wecklieder auf dem Gruppenleitungswochenende 😉 ). Für einige Tipps auf dem Blog lohnt es sich, Kooperationspartner_innen zu suchen: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ausflug in ein Fab Lab, um selbst mit dem 3D‐Drucker Keksausstecher herzustellen?

Die medienpädagogischen Möglichkeiten sind dann unbegrenzt, wenn man selbst kreativ wird, sich auf Neues einlässt und gemeinsam mit den Kids in der Gruppenstunde tüftelt, bastelt und lernt. Und das dürfte eine unserer Stärken in der Jugendverbandsarbeit sein, oder?

Game‐Boy und Walk‐Man bleiben natürlich zuhause. Warum fahren wir denn sonst auf ein Lager?“

Mattias Metz, Bundesfachreferent Internationale Gerechtigkeit bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), schreibt heute, wieso Smartphones im Zeltlager nichts zu suchen haben.

Dieser Satz stand in den Zeltlageranmeldungen, die meine Eltern früher unterschrieben haben. Der Gedanke damals war ganz einfach: Mitten im Wald, unter Freunden, sollten wir uns nicht alleine ins Unterholz oder Zelt zurückziehen, sondern uns mit neuen und alten Freunden unterhalten, spielen und das Lagerleben genießen.
Heute haben die meisten weder Game‐Boy noch Walk‐Man, oft nicht einmal mehr eine Kamera. Alle diese Geräte und noch viel mehr sind in einem verschmolzen: unserem Smartphone. Dadurch stellt sich die alte Frage in neuem Gewand: Sollen Handys mit in das Zeltlager Gepäck oder nicht?
Die Gründe, die dagegen sprechen, haben sich meiner Meinung nach seit Game‐Boy und Walkman nicht geändert: Auf Zeltlager wollen wir die Gemeinschaft genießen und das wird schwierig, wenn wir ständig mit dem Rest der Welt vernetzt sind. Lasst uns im Hier und Jetzt sein….

Was das Zeltlager einzigartig macht

Zeltlager sind eine eigene Welt für sich. Wir schlafen in der Natur, umgeben uns mit anderen Menschen als sonst und sind den ganzen Tag mit Spiel, Spaß und Küchenarbeit beschäftigt.
Im Alltag sind wir, wenn wir ehrlich sind, doch oft gar nicht richtig da. An der Bushaltestelle checken wir schnell unsere verschiedenen WhatsApp‐Gruppen oder scrollen uns durch Instagram‐Profile. Unseren Alltag dokumentieren wir durch Selfies und sind dauerhaft mit hunderten von Freunden oder Kontakten im Austausch. Zeltlager bieten uns da doch eine gelungene Möglichkeit mal Pause vom digitalen Leben zu machen. Die Atmosphäre am Lagerfeuer, das Gitarrenspiel und das schiefe Singen, das lässt sich doch mit keinem Instagramfilter nachbilden. Und Wikingerschach oder „Black Stories“ sind doch ein super Ersatz für die Essensfotos und Katzenbilder die unser Facebookstream so anspült.
Wem während eines Zeltlagers langweilig wird, ist selber schuld.

Keine Regel ohne Ausnahmen

Selbstverständlich gibt es ein paar Ausnahmen: Die Lagerleitung sollte natürlich ein Telefon zur Hand haben. Schließlich kann es trotz aller Vorsicht zu Notfällen kommen, bei denen die Eltern eines Teilnehmers oder einer Teilnehmerin erreicht werden müssen oder bei denen es wichtig ist, dass Informationen der Eltern weitergegeben werden müssen.
Ebenso wäre es bei Haiks oder längeren Ausflügen heute unverantwortlich, wenn die Gruppen ohne Handy unterwegs sind. Das hängt auch damit zusammen, dass durch die Verbreitung von Smartphones immer weniger Telefonzellen vorhanden sind. Das Handy sollten sie natürlich nur für Notfälle nutzen, nicht um sich den Spaß des Verlaufens zu nehmen, indem sie sich nicht die Gegend anschauen, sondern nur die Navi‐App.

Fazit

Zeltlager ohne Smartphone kann extrem Spaß machen! Für faule Regentage kann man ein Buch und einen Satz Karten einpacken, coole Leute sind, ganz analog, eh da. Und die Fotos kann ja jemand machen, der wirklich gerne und gut fotografiert, der hat sowieso eine gute Kamera dabei.

P.S.: Wenn ihr euch entscheidet, euren Teilnehmer*innen aus oben genannten Gründen davon abzuraten, das Telefon mitzunehmen, dann sollten die Betreuer*innen und Jugendleiter*innen natürlich mit gutem Beispiel vorangehen…

Foto: DPSG / Christian Schnaubelt

Lebenswelten anerkennen – Pro Smartphones im Zeltlager!

Lutz Hüser, stellvertretender Sprecher der Malteser Jugend Deutschland, schreibt, wieso Smartphones im Zeltlager zur Jugendverbandsarbeit passen.

Zugegeben: Das Bild des smartphone‐freien Zeltlagers mit all seiner Magie, vornehmen Bescheidenheit und seinen Abenteuern steht uns Jugendverbänden gut – nicht zuletzt auch als Argument für Eltern, die ihre „Handy‐Zombies“ doch mal zwei Wochen bei uns in die „Handy‐Kur“ schicken.

Noch besser steht uns aber meiner Meinung nach das Bild derjenigen, die Kinder und Jugendliche ihrer Selbst wegen und ihrer Lebenswelt entsprechend abholen. Und diese Lebenswelten, das wird in der letzten Sinus‐Studie deutlich, sind eben auch digitale Welten.

Wer sind wir, diese Lebenswelten nicht anzuerkennen und sie zwanghaft aus unseren Zeltlagern verbannen zu wollen? Und: warum sollten wir das überhaupt tun?

Ungeachtet der vielen wirklich guten Möglichkeiten Smartphones und Social Media in einem gewissen Rahmen im Zeltlager einzubinden, geht es doch wie in so vielen Dingen im Leben um das richtige Maß.

Und da glaube ich: Eine Lagergemeinschaft, und da sind alle, Leiter*innen, Teilnehmende und sonstige Unterstützer*innen mit eingeschlossen, sollte in der Lage sein, den für sich richtigen Weg und das richtige Maß im Umgang mit Smartphones zu finden. Denn, auch das zeigt die Sinus‐Studie: Selbst Jugendliche sind in bestimmten Situationen von Handys genervt.

Warum also das Thema nicht positiv, partizipativ und gemeinschaftsstiftend, statt dogmatisch und separierend besetzen? Und wenn ihr eine gute Lösung für Euch gefunden habt: Postet darüber, das dürfte sicherlich auch für andere Ferienfreizeiten interessant sein!

Foto: DPSG/ Christian Schnaubelt

Was macht die Kirche im App‐Store?

Das dicke Gebetsbuch liegt zu Hause – das Smartphone ist immer mit dabei? Einige katholische Verbände haben dies erkannt und füllen den App‐Store mit etlichen katholischen Apps. Hier einige Beobachtungen…

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Resi, was gibt es Neues in der Welt?“

In Zeiten, in denen Jugendliche und junge Erwachsene unter 27 Jahren immer seltener klassische Nachrichten in Zeitung, Fernsehen und Radio konsumieren und in denen Websites, Social Media und Apps um die knappe Aufmerksamkeit der jungen Leser/innen buhlen, wird es immer schwerer, überhaupt noch Nachrichten und Fakten zu platzieren. Eine mögliche Antwort sind interaktive Apps und Chatbots wie „Resi“. Diese versuchen Nachrichten – aufgeteilt in mehrere Chateinträge – zu verpacken und für die User/innen individualisierte Nachrichten anzubieten. Damit dies gelingt, lernen die Apps mit der Zeit aus den Themen‐Interessen der Nutzer/innen und passen die Nachrichten darauf an. Resi, was gibt es Neues in der Welt?““ weiterlesen

Meine Gemeinde passt DA_ZWISCHEN: Spiritualität im digitalen Raum

Es war einmal…
Es war in der S‐Bahn. Ich musste recht früh morgens nach Mannheim zum ICE und stand zwischen Schüler_innen und Männern und Frauen, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Es war halb acht.
Ich hatte nicht erwartet, dass die S‐Bahn so voll sein würde, dass es mir – einmal eingestiegen – nicht mehr möglich sein würde, mein Handy aus der Tasche zu holen ohne meinen unbekannten Weggefährten zu sehr auf die Pelle zur rücken. So stand ich da und ließ meinen Blick durch das Abteil schweifen. Kaum jemand nahm dabei Notiz von mir, weil alle in ihr Smartphone schauten, gelegentlich über das Display wischten oder leicht nickend im Rhythmus einer für die anderen kaum wahrnehmbaren Melodie verträumt aus dem Fenster schauten.

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Kirchenführung mit QR‐Code

Autobahnkirchen sind ganz spezielle Kirchen: Sie durchbrechen die Hektik der Reise, bieten eine Kraftquelle gegen den Stress der Autobahn und zeitweise finden dort liturgische und seelsorgerliche Angebote statt. Doch wie den Rastenden diesen Raum erschließen? In Baden‐Baden wurden dazu Infotafeln aufgestellt, auf denen die Besucher ergänzende Informationen über QR‐Codes mit ihrem Smartphone anfordern können. „Kirchenführung mit QR‐Code“ weiterlesen

Immer früher, immer länger und immer mobiler online

BITKOM‐Studie: Für Kinder und Jugendliche der „Generation Z“ gilt always online und mobile first

Die Digitalisierung der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen schreitet voran und dies viel schneller als gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt die im Mai 2017 vorgestellte Studie „Kinder und Jugend in der digitalen Welt“ vom BITKOM‐Verband und dem Marktforschern von Forsa. Das Credo: „Kinder und Jugendliche sind in Deutschland immer früher, immer länger und immer mobiler im Netz unterwegs“. Demnach hat sich der Internetkonsum binnen drei Jahren verdreifacht und deutlich öfter werden Smartphones und Tablets dafür verwendet oder besessen.

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