Digitale Lebenswelten bei katholisch.de

Wir stehen da in dem großen Spannungsfeld zwischen Datenschutz-Fragen und der Lebensrealität von jungen Menschen. Uns ist es wichtig, dass wir die Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kennen und anerkennen. Darauf aufbauend wollen wir schauen, welche Möglichkeiten es gibt, diese Kommunikationsmöglichkeit zu nutzen oder in welcher Form man Regelungen treffen kann, dass die Jugendverbandsarbeit durch die Datenschutz-Gesetze nicht behindert wird.

BDKJ-Bundesvorsitzende Katharina Norpoth im Interview mit katholisch.de: Kein WhatsApp mehr in der kirchlichen Jugendarbeit?

Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit – unsere digitalpolitischen Grundhaltungen

Auf der BDKJ-Hauptversammlung in Altenberg haben die Delegierten heute ein Grundsatzpapier zum Thema Digitalisierung verabschiedet. Zwei Jahre lang hatte die AG „Digitale Lebenswelten“ das Papier „Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit – unsere digitalpolitischen Grundhaltungen“ entwickelt. Der Beschluss drückt die Haltung des BDKJ zu digitalen Lebenswelten junger Menschen aus und zeigt erste Handlungsoptionen für Jugendverbände und Jugendorganisationen auf.

Blick in die BDKJ-HV 2018
Die BDKJ-Hauptversammlung tagte bis zum 6. Mai 2018 in Altenberg. (Foto: Christian Schnaubelt)

Als Sprachrohr und Anwälte von jungen Menschen sehen wir uns in der Pflicht, die Sichtweise und Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die digitalpolitische Debatte einzubringen“, erklärt Bundesvorsitzende Katharina Norpoth. Die digitalpolitische Ausrichtung des BDKJ wird daher besonderen Wert darauf legen, Teilhabe zu ermöglichen, die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen ernst zu nehmen und sie in ihrer digitalen Mündigkeit zu unterstützen, so Norpoth.
Die Entwicklung der Digitalisierung kritisch zu begleiten bedeutet für den BDKJ nicht, sie abzulehnen, sondern gemeinwohlorientierte Maßstäbe an sie anzulegen und sie so mitzugestalten, als prägenden Bestandteil in der Lebenswelt junger Menschen anzuerkennen und dies in der

Weiterentwicklung der Positionen des BDKJ überall mit zu bedenken, heißt es in dem Beschluss, der sich mit Fragen des Datenschutzes, der digitalen Mündigkeit junger Menschen sowie der Medienkompetenz und Teilhabegerechtigkeit befasst.
„Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit – unsere digitalpolitischen Grundhaltungen“ weiterlesen

Digital-Dialog mit Anfassen – AG-Treffen in Münster

Symbolfoto von ArbeitsbesprechungEine gute Struktur ist der halbe Antrag. Wer schon mal ein Positionspapier zu einem umfassenden gesellschaftlichen Thema geschrieben hat, weiß vielleicht, wovon die Rede ist. Um das Strukturgerüst für einen Antrag auf der BDKJ-Hauptversammlung 2018 zu definieren, traf sich die AG Digitale Lebenswelten am 20. und 21. Oktober physisch in Münster. Die Hauptversammlung 2016 hatte den Bundesvorstand damit beauftragt, eine verbandliche Positionierung zum Thema Digitale Lebenswelten zu erarbeiten und dafür eine AG einzuberufen. Und es ist auch die AG, die diesen Blog bespielt. „Digital-Dialog mit Anfassen – AG-Treffen in Münster“ weiterlesen

Digitale Welten im ökumenischen Sozialwort

Stellungnahmen zu digitalen Lebenswelten aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen gibt es noch nicht viele in den BDKJ-Verbänden und darüber hinaus. Ökumenische Stellungnahmen zu Netz-Themen sind noch seltener, auch wenn die Kirche-im-Web-Tagungen seit Jahren in ökumenischer Trägerschaft veranstaltet werden. Zuletzt bei der Re:publica in Berlin waren evangelischer und katholischer Vortrag noch sauber paritätisch getrennt.

Umso erfreulicher, dass BDKJ und aej schon vor einigen Wochen das ökumenisch Sozialwort der Jugend vorgelegt haben – erstmals auch mit einem Kapitel »Digitale Welten«. Darin wird klar beschrieben, was für Kinder und Jugendliche heute schon Alltag und selbstverständlich ist: Es gibt nicht »das Netz« und »das Leben«, nicht »das Virtuelle« und »das Echte« – es gibt nur die Welt, und die wird vom digitalen Wandel geprägt. Klar, dass da auch junge Menschen sich an der Gestaltung dieser Welt beteiligen müssen: »Ein positives Verhältnis zum digitalen Wandel ist notwendig. Gleichzeitig bedarf es der kritischen Aneignung und der Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen und ihren Auswirkungen«, heißt es in dem Papier.

Kritisch sein bedeutet zum Beispiel: Klar, das Netz ist wichtig und allgegenwärtig – aber wir müssen aufpassen, dass wir auch wirklich allen Menschen gleichberechtigt Zugang ermöglichen. Auf technischer Ebene durch Netzneutralität, auf gesellschaftlicher Ebene durch Teilhabepolitik, die das Netz mitdenkt, auf rechtlicher Ebene durch den Schutz von Anonymität und Vertraulichkeit und Netzpolitik mit Augenmaß. Medienbildung ist wichtig – damit junge Menschen selbstbestimmt und und verantwortlich das Netz nutzen können. Das Urheberrecht muss zeitgemäß reformiert werden, damit Alltagspraktiken (nicht nur) junger Menschen nicht kriminalisiert werden. Und natürlich muss das geltende Recht durchgesetzt werden, um Menschen vor Hass und Diskriminierung zu schützen und Freiheiten wie das Briefgeheimnis, informationelle Selbstbestimmung und Privatsphäre zu verteidigen. „Big Data“ hat viele Chancen – aber was mit den eigenen Daten passiert, darüber sollen alle selbst die Hoheit haben.

Ganz wichtig für Jugendverbände: Die Frage nach demokratischer Öffentlichkeit und Teilhabe. An der Öffentlichkeit beteiligen sich nicht mehr nur professionelle Journalist_innen – alle können zum Sender, zur Senderin werden. Da braucht es eine Förderung der Informationskompetenz und aktive Sensibilisierung für eine reflektierte Medienkritik. Und auch die Politik wird digital: neue digitale Wege der Partizipation sollen erprobt werden, um allen Menschen Mitbestimmung zu ermöglichen und zu erleichtern.

So machen BDKJ und aej erstmals einen Aufschlag für digitale Lebenswelten – jetzt heißt es: Dran bleiben an den digitalen Lebenswelten!

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