iRights.Lab: Chancen von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz

Dass die Digitalisierung und der damit verbundene technologische Fortschritt Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat wie kaum eine Entwicklung seit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert, ist nicht nur eine gerade im politischen Kontext häufig formulierte Binsenweisheit, sondern in nahezu allen Lebensbereichen zu fast jeder Tages‐ und Nachtzeit erlebbar.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Messengerdienste wie WhatsApp haben unser Kommunikationsverhalten grundlegend verändert und oftmals ist eine problematische Sammlung und Auswertung personenbezogener Daten mit der Nutzung solcher Plattformen verbunden.

Dennoch sind mit Risiken immer auch immense Chancen verbunden und jede gesellschaftliche oder technologische Revolution bringt immer auch mit sich, dass zwei Seiten einer Medaille gesehen und der Gesamtwert betrachtet werden muss.

Richtig angewendet und mit gesetzlichen Regelungen, die den Missbrauch entsprechender Anwendungen auf ein Minimum reduzieren, sind auch Facebook, Twitter und Co. ein Gewinn, wenn es beispielsweise um den Zugang zu Informationen, Wissen, den Austausch mit anderen Menschen oder die Partizipationen an diversen politischen und gesellschaftlichen Diskursen geht.

Die Lebensbereiche, die von der Digitalisierung betroffen sind, sind so vielfältig wie das Leben selbst

Bei kaum einem anderen Thema aber wird die Wirkung in unseren Alltag hinein so deutlich wie bei der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz in einer digitalen Gesellschaft bereits heute spielt und in Zukunft spielen wird.

Dabei handelt es sich um Verfahren, bei denen menschliche Intelligenz simuliert und weiterentwickelt wird. Computer tauschen sich mit anderen Computern aus, Systeme kommunizieren mit anderen Systemen und interagieren miteinander, ohne dass ein Mensch eingreifen müsste.

So erkennen intelligente Netzwerke beispielsweise, wenn jemand die eigene Wohnung verlässt und regelt im Winter automatisch die Heizung herunter oder sogenannte Bots übernehmen die Kundenkommunikation auf bestimmten Service‐Portalen, sodass auf eine Frage, die man in einen Kundenchat eingibt, nicht mehr von einer menschlichen Beraterin oder einem Berater geantwortet wird, sondern von einem digitalen Assistenten, der aufgrund eines entsprechenden Algorithmuses entsprechende Antworten errechnet.

ANNA – Das vernetzte Leben

Der digitale Think Tank iRights.Lab nimmt sich dieses Themas mit einem iRights e.V. – Partnerprojekt “ANNA – Das vernetzte Leben. Algorithmen und Künstliche Intelligenz im Verbraucheralltag” an.

Um die erwähnten Chancen entsprechend zu nutzen, stehen verschiedene Akteure in der Verantwortung. So muss zunächst auf politischer Ebene dafür gesorgt sein, dass es entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen gibt, die klar regeln, was erlaubt ist und was nicht. Damit einhergehend entstehen Fragen danach, welche Daten in welchem Umfang genutzt, gespeichert und weitergegeben werden dürfen.

Der Schutz dieser Daten sollte an erster Stelle stehen. Das Thema Datenschutz ist also nicht umsonst aktuell wesentlicher Bestandteil öffentlicher Debatten. Hierbei geht es immer wieder darum, dass Unternehmen, die diese Daten nutzen, verantwortungsvoller damit umgehen müssen und somit ein höheres Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher entstehen kann.

Nützliche Werkzeuge, die man richtig benutzen muss

Es ist also wichtig, die technischen Innovationen, die die Digitalisierung mit sich bringt, nicht als eine reine Gefährdung anzusehen, sondern in ihnen vielmehr das zu erkennen, was sie sind: nützliche Werkzeuge, die das Leben möglichst vieler Menschen einfacher und angenehmer machen sollen. Wer ein solches Werkzeug allerdings richtig benutzen möchte, der sollte zunächst den richtigen Umgang damit erlernt haben. Es sollte klar sein, dass mit den neuen Möglichkeiten auch neue Verantwortlichkeiten einhergehen.

Neben der Politik sind somit auch die Nutzerinnen und Nutzer dieser neuen Technologien gefragt. Letztlich entscheidet doch jede und jeder selbst darüber, wem sie welche Daten in welchem Umfang zukommen lassen. Um über etwas entscheiden zu können, muss zunächst allerdings ein Bewusstsein darüber herrschen, dass es die Möglichkeit zur selbstbestimmten Entscheidung gibt. Weiterhin ist es wichtig zu wissen, wie genau einem Missbrauch der persönlichen Daten entgegengewirkt werden kann. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann ein verantwortungsvolles und kompetentes Handeln gewährleistet werden.

Das Ziel: Medienmündigkeit

Medienkompetenz ist, wie jede andere Kompetenz, etwas Erlerntes und kann nicht als gegeben vorausgesetzt werden. Somit stehen die benannten Akteure in der Verantwortung, das bereits erworbene Wissen im Umgang mit den neuen Technologien weiterzugeben, das Erlernte stetig mit neuem Wissen anzureichern und sich gleichzeitig für eine Verbesserung der vorherrschenden Bedingungen einzusetzen. Politik muss die Prozesse und Gegebenheiten des technologischen Fortschritts dabei verstehen, um die richtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen setzen zu können. Die Nutzerinnen und Nutzer dagegen müssen aufgeklärt und mit dem nötigen Wissen ausgestattet werden, um eigenverantwortlich als Bürgerin und Bürger in einer digitalen Gesellschaft leben und handeln zu können.

Es lässt sich also festhalten: Wenn oben Genanntes erfüllt ist, wenn alle Akteure – Wirtschaft, Politik sowie Verbraucherinnen und Verbraucher – bestrebt sind, sich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den technischen Neuerungen einzusetzen, bietet die Digitalisierung die Chance für eine positive und gewinnbringende gesamtgesellschaftliche Entwicklung auf den verschiedensten Ebenen.

Hier geht es zum Projekt des iRights e.V.: ANNA – Das vernetzte Leben

Autor: Ludwig Reicherstorfer

Ludwig Reicherstorfer ist Head of Communications beim iRights.Lab. Der Sprachwissenschaftler war vier Jahre lang Persönlicher Referent der Parlamentarischen Staatssekretärin Dorothee Bär und davor u.a. netzpolitischer Referent und Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit in der CSU-Landesleitung.

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