WHAT THE F***! – Der Zündfunk‐Netzkongress

Wie mit Populismus, Überwachung, Hass, Privatsphäre, Sexismus, etc. im Netz umgehen? Alte Fragen, wenig neue Antworten. Der Netzkongress köchelte bekannte Themen unter dem Titel „WHAT THE F***!“ beharrlich auf mittlerer Flamme. So nicht neu, aber trotzdem wichtig. DENN DIE SACHE IST NOCH NICHT DURCH! #zf17

© Zündfunk / Bayern2

Am 13. und 14. Oktober traf sich ein vorwiegend süddeutscher Teil der Netzgemeinde im Volkstheater in München zu knapp 40 Vorträgen, Panels und Workshops bei dem fünften Zündfunk Netzkongress dieser Art. Ich habe mir das mal genauer angesehen:

WHAT THE FREEDOM!

Natürlich bringen alle Speaker_innen ihre eigenen spezifischen Themen mit: So machte Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Club) in ihrer Keynote vor allem das Thema „technische Überwachung“ auf und ordnete dies in die aktuelle deutsche Politik ein. Dazu berichtete auch der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht, der sich im Europaparlament für den Datenschutz stark macht.

Shahak Shapira fährt lieber einen satirischen Kurs und schlägt vor, im Netz „lieber ehrlich als richtig“ zu sein. Einen etwas anderen Ansatz zeigt die Süddeutsche Zeitung auf, die mit ihrem Democracy Lab das „miteinander reden, statt übereinander reden“ fördern will.

WHAT THE FUTURE!

Was bringt die Zukunft? Dirk von Gehlen rät in „Lob des Smartphones“ zu mehr Gelassenheit und schlägt vor „die Zukunft als gestaltbaren Raum“ zu betrachten, statt mit Sorge auf diese Zeit zu blicken. Klaudia Seibel gestaltet die Zukunft konkret mit und erklärt was Science Fiction über die Zukunft verrät. Schon etwas philosophischer geht es da bei der Frage nach der „Unsterblichkeit! Ja? Nein? Vielleicht?“ (u.a. mit Janina Loh und Godehard Brüntrup) zu. Paul Graham Raven beschäftigte sich mit Transhumanismus – übrigens eine Debatte, in der wir konfessionellen Jugendverbände auch ein Wörtchen mitzureden haben! Dem Transhumanismus wird teilweise vorgeworfen, nur auf technologische Entwicklungen zu setzen (wie z.B. künstlich verlängertes/optimiertes Leben, den Einsatz von Gentechnik) und die damit einhergehenden ethischen Aspekte zu vergessen. Als Verbände, die das Leben von und mit jungen Menschen in unserer Gesellschaft gestalten, empfiehlt es sich, sich auch hier in die Diskussion einzuschalten.

WHAT THE FEMINISM!

Hinsichtlich der Besetzung von Frauen und Männern auf den Panels ist die Entwicklung positiv. Der Männeranteil liegt „nur noch“ bei 57%. Früher war er bei 82% in 2013. Super, da geht noch mehr! Beeindruckt hat mich übrigens Juliane Wieler aka Jule Wasabi, die in „Die Deutschrap‐Community und ihr Sexismusproblem“ von ihren eigenen Erfahrungen mit Sexismus berichtet und der Deutschrap‐Szene (und unserer Gesellschaft) ein schlechtes Zeugnis in dieser Sache ausstellt: „Es ist peinlich, dass es in unserer Gesellschaft noch so viele Sexisten gibt!“.

© Daniel Köberle / CC0 Public Domain

WAS NOCH?

Die Vorträge – zumindest viele davon – von der großen und kleinen Bühne (auch die der letzten Jahre) finden sich auf dem Youtube‐Kanal von Zündfunk. Auf dem Blog des Zündfunk gibt es natürlich auch diverse Artikel, Einordnungen und Rückblicke.

Es war fast so wie auf der re:publica. Nur mit weniger Menschen, mehr bayrischen Dialekten und weniger Twitter.

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