Nein!“ zu Upload‐Filtern – ein offener Brief der (digitalen) Zivilgesellschaft

Dieses Bild ist eventuell urheberrechtlich geschützt. Und dennoch ist es als bekanntes Meme Teil der Internetkultur.

Ein Internet ohne gifs, ein YouTube ohne lustige Mash‐Ups, ein Facebook ohne Memes? Das mag sich niemand mehr so richtig vorstellen können, der sich in sozialen Netzwerken bewegt – doch nach Meinung einiger EU‐Politiker müssten wir künftig aus urheberrechtlichen Gründen ohne all das auskommen. Ein EU‐Vorschlag, der sich mit der Urheberrechtsreform beschäftigt, schlägt vor, dass Plattformen wie Facebook, YouTube, Twitter, Wikipedia und Co. bereits beim Upload von Inhalten einen Filter einsetzen, um eventuelle Verstöße gegen das Urheberrecht von vornherein zu verhindern. Das bedeutet zum einen, dass aufgrund der schieren Menge an sekündlichen Uploads eine Filtersoftware eingesetzt werden muss, die alle Bilder, Videos und Tonaufnahmen „untersucht“ – die jedoch (noch) nicht in der Lage ist, zwischen legal verwendetem Material und illegal verwendetem Material zu unterscheiden und vermutlich deshalb erstmal alles löscht, was ihr verdächtig vorkommt, zum Beispiel auch Ironie oder Satire. Zum anderen bedeutet ein verpflichtender Upload‐Filter auch ganz konkret, dass jeder Satz, der in einem Artikel auf Wikipedia ergänzt wird, durch diesen Filter laufen muss und jeder, der an einem Artikel als Ehrenamtlicher (denn so funktioniert Wikipedia) mitschreibt, gleichsam beweisen muss, woher er diese Info hat. So würde voraussichtlich weniger Inhalt zur Verfügung und damit weniger Wissen verbreitet werden können. (netzpolitik.org fasst die Debatte gut zusammen)

Weil dies im Wesentlichen die Informations‐ und Meinungsfreiheit im Netz einschränken würde und das Internet, wie wir es lieben und kennen, drastisch und weitestgehend auch unpraktikabel verändern würde, hat ein Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, Bürgerrechtsorganisationen und digitaler Zivilgesellschaft einen offenen Brief an verschiedene Bundesministerien und Mitglieder des Europäischen Parlaments verfasst, der diese dazu auffordert, sich (übrigens auch ganz im Sinne des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD) gegen diese Upload‐Filter einzusetzen. Dieses Anliegen gilt es zu unterstützen, wenn wir als BDKJ die digitalen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen ernst nehmen wollen und uns auch weiterhin politisch für Meinungs‐ und eine kreative Freiheit einsetzen wollen.

Was du konkret tun kannst? Das steht hier.

Autor: Anna Grebe

Dr. Anna Grebe ist Medienwissenschaftlerin und arbeitet hauptberuflich als jugendpolitische Referentin. Sie begleitet die AG Digitale Lebenswelten als Fachreferentin, war bis 2016 Mitglied des sagenumwobenen BDKJ-Webteams, kommt aus der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und lebt in Berlin.

Ein Gedanke zu „Nein!“ zu Upload‐Filtern – ein offener Brief der (digitalen) Zivilgesellschaft“

  1. Das ist wieder einmal der Versuch unter dem Deckmantel des Urheberrechtes etwas zu zensieren.
    Damit wären wieder einmal die benachteiligt die Blogs und Seiten in ihrer Freizeit betreiben . Denn es glaubt doch niemand im Ernst das die großen Anbieter ihre Upload‐Filter kostenlos zur Verfügung stellen werden ? Also läuft es darauf hin das diese ganzen kleinen und voller Enthusiasmus betriebenen Seiten verschwinden werden. Den Verlagen die sich so vehement für das Urheberrecht einsetzen geht es doch gar nicht darum das Autoren besser bezahlt werden. Nein es geht darum das die Verlage ihre eigenen Gewinne erhöhen wollen. Wenn die Verlage wollten könnten sie die Autoren schon lange fair für ihre geistige Leisung vergüten.

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