Wir müssen mal etwas mit YouTube machen!

Ein Satz, den viele vielleicht schon gehört haben und der auch von der neuesten JIM‐Studie bestätigt wird.
Ein Großteil der Jugendlichen verbringt viel Zeit damit, auf Video‐Portalen wie YouTube, Vimeo oder anderen, verschiedenste Videoinhalte zu konsumieren. Ein guter Markt um einzusteigen und mehr Reichweite zu generieren. Aber erst gilt es, ein paar wichtige Dinge zu beachten. Unser Praxistipp aus Rottenburg‐Stuttgart.

Das Konzept
Bevor ihr beginnt, wild drauf los zu filmen und die Videos hochzuladen, braucht ihr eine Idee hinter eurem Kanal. Am besten stellt ihr euch die folgenden Fragen: „Welches Problem will ich lösen?“ und „Was will ich damit erreichen?“ Das bestimmt die zukünftige Ausrichtung eures Kanals.
Nehmen wir mal an, ihr wollt regelmäßig das gesellschaftliche und politische Geschehen kommentieren. Dann bietet es sich an, einen Meinungsvlog zu starten. Hier kommt es nicht auf gute Kameratechnik an, sondern darauf, dass ihr klare Kante zeigt und den Menschen Reibungspunkte bietet. Gute Beispiele für Meinungsvlogs sind zum Beispiel von LeFloid, Rayk Anders oder Michas Mundwerk.

Es versteht sich von selbst, dass man für solche Meinungsvlogs gut informiert sein sollte, denn Hate‐Speech‐Kommentare und Trolls sind bei YouTube Gang und Gebe. Im Allgemeinen solltet ihr, egal für welche Art von Vlog ihr euch entscheidet, gut vorbereitet sein.

Neben Meinungsbloggern erfreuen sich auch Beauty‐ und Tech‐Vlogs hoher Beliebtheit.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht alles, was wir an Informationen zu bieten haben, für YouTube geeignet ist. Achtet darauf, dass eure Inhalte möglichst viele Menschen ansprechen und in ein Zeitfenster von drei bis fünf Minuten passen.

Die Technik
Um gute Videos zu produzieren braucht ihr die Kamera für 15.000 €, ein Mikrofon für 5.000 €, einen Schnittpaltz im Wert von 30.000 € und natürlich ein perfekt ausgebildetes Kamera‐ und Produktionsteam.

QUATSCH 🙂

Es kommt, wie schon erwähnt, nicht immer auf die Bildqualität, sondern eher auf den Inhalt und auf eine verständliche Tonausgabe an. Ich persönlich bevorzuge hier die Canon EOS Modelle, wobei das natürlich aus meiner Gewohnheit heraus gewachsen ist. Legt am besten im Vorfeld ein Budget fest und lasst euch in einem Fachgeschäft beraten. Eine brauchbare Kamera sollte für etwa 500 € erhältlich sein. Für den Anfang kann man es auch mit einer gebrauchten Kamera vom Fachhändler versuchen. Natürlich darf eine ausreichend große Speicherkarte nicht fehlen. Meine Empfehlung: mindestens 32 GB und davon gleich zwei. Auch solltet ihr euch ein brauchbares Mikrofon zulegen. System‐ und Spiegelreflexkameras haben in den meisten Fällen einen Klinkenanschluss dafür. Ich persönlich wechsle zwischen zwei Mikrofonen. Zum einen das Røde Video Mic Go und zum anderen das AZDEN SMX‐20, das sind beides Mikrofone, die ihr auf den Blitzschuh eurer Kamera stecken und so auch immer den Ton der gefilmten Person optimal abnehmen könnt.
Zum Schneiden müsst ihr das Rad nicht neu erfinden. Es gibt sowohl auf dem Windows‐PC als auch auf dem Mac erschwingliche und verhältnismäßig leicht zu bedienende Software. Für den Windows‐PC könnt ihr euch Magix Vegas anschauen, eine solide Schnitt‐Software zu einem günstigen Preis. Auf dem Mac wird kostenlos das Programm iMovie mitgeliefert, das auch ohne große Vorkenntnisse gute Ergebnisse liefert.
Für die Beleuchtung könnt ihr euch eine LED‐Videoleuchte (für etwa 100 €) kaufen. Diese ist in den meisten Fällen ausreichend, wenn ihr einen einfachen Vlog dreht. Da euer Blitzschuh im Optimalfall schon von eurem externen Mikrofon besetzt ist, könnt ihr euch ein günstiges Lampenstativ kaufen, und die Leuchte hier anbringen. Achtet darauf, dass die abgebildete Person gleichmäßig ausgeleuchtet ist und keine störenden Schatten im Gesicht zu sehen sind.

Das Set
Im Grunde ist der Hintergrund eures Videos nicht so wichtig, er sollte jedoch nicht zu aufgeregt sein, da sonst die Gefahr besteht, dass der*die Zuschauer*in abgelenkt wird. Schaut euch einfach mal bekannteren YouTuber*innen an und achtet auf deren Sets. Wichtig ist, dass ihr einen Raum habt, in dem die Stimme nicht zu sehr hallt, da die Stimme später im Video nur schlecht verständlich sein könnte.

Das Gesicht
Euer Vlog sollte ein*e, nach Möglichkeit selten bis nicht wechselnde*n, Moderator*in haben, der*die „kameratauglich“ ist. Die Person muss authentisch sein, ist optimalerweise im Alter eurer Zielgruppe, darf gerne sympathisch aussehen und sollte sich vor der Kamera wohl fühlen.

Die Recherche
Egal, zu welchem Thema ihr vloggen wollt, das was ihr veröffentlicht, sollte gut recherchiert sein. Bedient euch dabei bekannter Quellen oder Expert*innen in eurer Umgebung. Sobald ihr alles Nötige zusammengetragen habt, besprecht euch vor der Aufnahme mit der Moderation, da die Inhalte frei gesprochen und nicht abgelesen sein sollten. So können sich die Zuschauenden besser mit der Moderation identifizieren.

Und Action!
Vor der Aufnahme müsst ihr euer alles nochmals kontrollieren. Sind alle Akkus geladen, funktionieren Kamera, Mikrofon und Licht einwandfrei? Habt ihr die Speicherkarte geleert? Ist der Raum geeignet, die Moderation gebrieft? Wenn alles in Ordnung ist, kann die Aufnahme starten. Da man bei Vlogs eher schnelle und kurze Schnitte setzt, macht es nichts, wenn ihr aus Versehen etwas Falsches sagt. Legt einfach eine 2‐sekündige Pause ein und fangt den Satz nochmals von vorne an. Denkt auch während der Aufnahme immer daran, dass euer Endprodukt nicht länger als drei bis fünf Minuten sein sollte. Am Ende der Aufnahme könnt ihr das Publikum noch dazu auffordern, zu kommentieren. Das steigert die Reaktionsfreudigkeit der Nutzer*innen.

Und Schnitt!
Wie schon erwähnt solltet ihr schnelle Schnitte setzen, orientiert euch auch hier an erfolgreichen YouTubern. Wenn ihr kreativ und talentiert seid, könnt ihr euch auch ein kleines Intro für einen Vlog basteln, das steigert den Wiedererkennungswert. Wenn ihr Musik zum Untermalen bestimmter Szenen braucht, verwendet keine bekannten Musikstücke. Die sind in der Regel von der GEMA geschützt und es kann zu Abmahnungen und Strafzahlungen kommen. Unter dem Link https://www.youtube.com/audiolibrary/music findet ihr massenhaft frei verwendbare Musik. Manche Stücke dürft ihr jedoch nur mit der Nennung des*der Künstler*in verwenden, achtet bitte auf die Beschreibungen der einzelnen Titel. Sobald ihr fertig seid und euch das Ergebnis gefällt, könnt ihr das Video exportieren und auf euren YouTube‐Channel hochladen. Wenn ihr eure Identität bestätigt habt, könnt ihr auch ein individuelles Thumbnail, das ihr mit einem Bildbearbeitungsprogramm erstellt habt, hochladen.

Auf das Video aufmerksam machen
Damit ihr eine hohe Reichweite erzeugt, teilt das Video in euren sozialen Netzwerken, stellt einen Link zu eurem Kanal auf eure Homepage und streut das Video auch über euren Newsletter. Im Creator‐Studio eures YouTube‐Kanals könnt ihr überwachen, wie hoch die Reichweite eures Videos ist.

Achtet auf die Kommentare
Wie in jedem sozialen Netzwerk lauert der Shitstorm hinter jeder Ecke. Das erste Mal solltet ihr die Kommentare bei eurem Video und den Netzwerken, in denen ihr es geteilt habt, nach einer halben Stunde kontrollieren und auch die darauf folgenden Tage im Auge behalten. Kommentiert wenn nötig auch selbst, bleibt dabei aber immer sachlich.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem kleinen Artikel euren Weg in die Arbeit mit YouTube erleichtern. Falls ihr darüber hinaus noch Fragen habt, meldet euch gerne unter MaKraemer@bdkj.info.

Autor: Marcel Krämer

Marcel Krämer ist Medienreferent bei der KjG im Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart und im BDKJ Rottenburg-Stuttgart.

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