Praxistipp: Feinstaubsensor basteln

Warum Feinstaubsensoren basteln, werden sich viele fragen: Ich wohne doch auf dem Land, bei uns ist eh wenig Verkehr und mit Computern haben die Kinder eh genug zu tun.

Beim Feinstaubsensorenbasteln
Sebastian Müller (3. v.l.) beim Sensorenbasteln. (Foto: Fionn Große)

Begonnen hat das Projekt luftdaten.info 2016 in der Region Stuttgart. Das Ziel: aus dem Thema dreckigen Thema „Feinstaub“ ein gutes Projekt zu machen, bei dem sich Menschen um nachhaltiges und gesundes Leben, sinnvollen Umgang mit Digitalisierung, Smart City und „Civic Tech“ Gedanken machen.

Mitmachen können alle: Mit einem Bausatz kann jede*r einen eigenen Feinstaubsensor bauen und die Daten teilen.

Feinstaubsensor basteln – so geht’s

Drei Schritte braucht’s auf dem Weg zum Feinstaubsensor – der erste ist die Vorbereitung, Schritt 2 eher für ältere geeignet, Schritt 3 dann perfekt für die Gruppenstunde.

1. Die Teile bestellen

Am besten bestellt man die Teile bei AliExpress in China. Das klingt erstmal unseriös und irgendwie nach Problemen mit dem Zoll – die kann man umgehen, wenn jede einzelne Bestellung unter 22 Euro bleibt. Daher sollte man den Feinstaubsensor, die Kontrollplatine und alle anderen Teile einzeln bestellen. Dann brauchen wir noch einen ca. 10 cm langen 6mm-Schlauch, zwei Marley-Silent-HT-Rohre (das sind die von unserem Abwasser) und ein Netzteil.

Alles das kaufen wir am besten beim Baumarkt in Deutschland. (Genaue Bestellanleitung findet sich hier). Die Elektronik-Bauteile kommen ohnehin aus China, daher sollte es kein Problem sein, sie direkt zu bestellen. Das Netzteil dagegen würde ich in Deutschland kaufen, dann sind wir uns sicher, dass die ein CE-Zeichen haben und alle Sicherheitsanforderungen erfüllen. Jetzt müssen wir uns zwischen 4 bis 6 Wochen in Geduld üben. Die Teile kommen mit dem Schiff.

2. Die Software aufspielen

Jetzt werden die Platinen mit dem Programm zum Auslesen und Senden der Daten bespielen. Das ist ein wenig kompliziert. Aber es gibt eine schöne Anleitung auf luftdadten.info. Ich bespiele (oder im Fachjargon „flashe“) das immer schon daheim. Und wenn es bei euch nicht klappt: einfach bei mir melden!

3. Basteln!

Jetzt brauchen wir einen Raum mit Tischen, Licht und Strom. Wichtig: Es handelt sich um Experimentalgeräte zu Forschungs- und Bastelzwecken; der Betrieb erfolgt auf eigene Gefahr – die Eltern solltet ihr also zur Sicherheit einweihen. Jetzt werden die Kabel verbunden (löten muss man dazu nicht), am besten zu zweit: eine*r steckt und der*die andere kontrolliert.

Sobald die fertigen Sensoren mit dem Strom verbunden sind, machen sie einen eigenen WLAN-Hotspot auf. Darin loggt man sich ein und kann dann das WLAN konfigurieren, das der Sensor an seinem Aufstellungsort benutzen soll.

Ein selbstgebauter Feinstaubsensor
Ein selbstgebauter Feinstaubsensor (Foto: Sebastian Müller)

Daten auswerten und forschen

Am besten verbindet man so einen Bastelabend mit einem kleinen Vortrag über Feinstaub, Ursachen, Gefahren und was jeder selbst dagegen tun kann. Und nach dem Basteln ist vor dem Projekt. Wenn der Sensor installiert ist, kann man sich an die Auswertung der Daten machen. luftdaten.info liefert einem sowohl einen Link auf Grafiken als auch die Rohdaten, so dass man sie selber per Tabellenkalkulation auswerten kann. (Libre Office hat eine besonders komfortable Import-Funktion.)

Den Sensor kann man auch noch für andere Dinge nutzen. Mit dem Programm Smog Cop lässt sich der Feinstaubsensor direkt mit einem USB-Kabel mit Android-Telefonen verbinden. Die Daten werden zwar nicht aufgezeichnet, aber live angezeigt. Damit lässt sich dann mobil messen, wie schlimm es zum Beispiel in der Shisha-Bar ist, wieviel Kreidestaub im Lehrerzimmer erzeugt wird, und wie es nach einer ordentlichen Runde Weihrauch in der Kirche aussieht.

In seinem Blog sammelt Sebastian noch mehr Infos zu aktuellen Feinstaubsensor-Projekten.

Autor: Sebastian Müller

Sebastian Müller engagiert sich als Rettungs-Assistent bei den Maltesern und für Jugendbeteiligung, war Stadtrat für "Junges Freiburg". Er bloggt über (Kommunal-)Politik und Feinstaubsensoren.

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