Schnelles Internet muss Grundrecht sein!

Unser Alltag wird unaufhaltsam digitaler. Im Beruf und privat, bei Behördengängen, bei der Navigation, beim ständigen Griff zum Smartphone in unserer Tasche. Eine ganze Generation junger Menschen kennt das auch gar nicht anders – das Internet war ja schon immer da und ist schlicht eine Selbstverständlichkeit. Es ist nicht immer einfach, gestandenen und etablierten PolitikerInnen älteren Semesters diese neue Sicht auf unsere Welt zu vermitteln, sie ist aber gelebte Wirklichkeit, die wir täglich in den Jugendverbänden spüren und erfahren.

In der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) sind wir Expertinnen und Experten für die Ländlichen Räume, wo die Digitalisierung tatsächlich viele reale Probleme in der sogenannten Daseinsvorsorge lösen kann oder zumindest Krücke sein kann, wenn analoge Angebote zurückgefahren werden oder nur schwer erreichbar sind. Den Arzt oder die Ärztin per Video-Chat kontaktieren, ebenso Krankenkasse und Gemeindeamt oder die Teilnahme an Online-Vorlesungen, vielleicht auch die Arbeit im Home Office oder in Co-Working-Plätzen und natürlich die vielfältigen Möglichkeiten der Beteiligung an politischen Prozessen. Dazu kommen noch der Standortfaktor Breitband für Gewerbeansiedlungen und die Notwendigkeit schneller Verbindungen für die moderne Landwirtschaft. Schnelles Internet ist wichtig für die Zukunft ländlicher Räume und entsprechende Investitionen sind notwendig und mehr als gerechtfertigt. Dass sich viele Jugendliche in den Ländlichen Räumen abgehängt fühlen, wenn das Internet gar nicht oder nur schlecht funktioniert, ist eine unserer Lebensrealitäten. Für uns ist deshalb klar, dass eine gute Internetanbindung auch für die Ländlichen Räume unabdingbar geworden und einer der wichtigsten Haltefaktoren für Jugendliche ist. Nur, wenn eine Chance auf gute und moderne Ausbildung und entsprechende Arbeitsplätze vor Ort besteht und die Daseinsvorsorge funktioniert, bleiben junge Menschen im Dorf oder kehren dorthin zurück.

Aus diesem Grund fordert die KLJB schon seit 2013 die Anerkennung des schnellen Internets als Grundrecht. Leider kommen wir teils aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Seit Jahren redet die Politik von dem Ziel eines schnellen und flächendeckenden Internets mit Geschwindigkeiten von 50 Mbit/s und zementiert dieses Ziel als die Lösung aller Probleme. 2018 will man es geschafft haben – so wirklich in Sicht wirkt das Ziel noch nicht und wäre zum Teil auch nur in der Theorie Realität. Abgesehen davon, dass bei der anvisierten Bandbreite nicht Schluss sein darf und wir dann auch nicht einfach 50 Jahre Ruhe haben: Zur Erreichung des Ziels sind kurzsichtige Ansätze und „Brückentechnologien“ einfach keine Lösung! Ein Beispiel für verfehlte Ansätze ist sicher VDSL (eine besonders schnelle Form von DSL) . Eine zweifellos spannende Technik, mit der die guten alten und bereits verlegten Kupfer-Telefonkabel bis an ihr Maximum ausgereizt werden, 50–100 Mbit/s sind dank der Technik heute vielerorts buchbar. Das funktioniert nur leider in dieser Form in Ländlichen Räumen nur selten, da die Distanz zum Verteilerkasten noch kürzer sein muss, als schon beim klassischen DSL. Doch was, wenn die 100 Mbit/s nicht mehr ausreichen? Das kann schon in wenigen Jahren der Fall sein. Dann haben wir in den „VDSL-Regionen“ viel Geld investiert, das Problem aber nur vertagt und führen erneut die genau gleichen Diskussionen über die Notwendigkeit des schnellen Internets.

Eine Alternative: 4G/LTE-Mobilfunk, künftig auch 5G. Politisch mit großen Hoffnungen besetzt und ebenso als die Lösung aller Probleme verkauft. Doch auch hier gibt es berechtigte Zweifel. Alle Nutzer einer Funkzelle teilen sich bekanntlich die Bandbreite, weshalb Tarife teuer und Datenvolumen begrenzt sind. Zudem entwickelt sich die Technik ständig weiter und es ist fraglich, ob der vielleicht erkämpfte Sendemast am Ortsrand auch die nächste Technikevolution montiert bekommt – oder überhaupt noch ins „Mastenkonzept“ des Telekommunikations-Unternehmens passt. Dazu kommt, dass bei uns auch nicht in jeder Ecke ein Sendemast steht.

Die momentan wohl vernünftigste und auch zukunftsfähigste Lösung ist daher, und da sind sich zahlreiche Expertinnen und Experten einig, das Verlegen von Glasfaserkabel – am besten bis in jeden Ort und jeden Haushalt. Doch leider ist das Verlegen teuer, zahlt sich erst langfristig aus und politisch denkt man dann wohl doch lieber in Legislaturperioden. Doch es nützt nichts, wir stecken viel Geld in „Brückentechnologien“, wissen aber eigentlich, dass wir schon in wenigen Jahren neue Kabel verlegen müssen. Achtung, Spoiler: Vermutlich werden es Glasfaserkabel. Daher ergreifen vielerorts ganze Dörfer oder BürgerInnen selbst die Initiative, werden dabei aber nur selten finanziell unterstützt. Sparen wir uns diesen Flickenteppich doch einfach und packen wir diese Investition zügig und flächendeckend an. Schnelles Internet muss endlich Grundrecht sein.

Autor: Jürgen Bahr

Jürgen Bahr hat Regionalentwicklung studiert und arbeitet seit 2013 als Referent für Ländliche Entwicklung in der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB). Er entwickelt gemeinsam mit dem KLJB-Bundesarbeitskreis Ländliche Entwicklung verbandliche Positionen rund um ländliche Entwicklung und Landwirtschaft und vertritt diese gemeinsam mit dem Bundesvorstand in Politik und Gesellschaft.

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