Skype‐Schichten: Gemeinschaft mal anders oder eher gar nicht?!?!

6.25 Uhr: Skype ertönt auf Tablets, Smartphones oder Laptops von über 100 Personen. „Guten Morgen, habt Ihr gut geschlafen?“ fragt die Moderation und die Videoübertragung zeigt, dass der*die ein oder andere das Gähnen noch so gerade unterdrücken kann. Nach und nach schalten sich alle in die Konferenz ein.

Die Teilnehmenden gestalten mit den Skype‐Schichten ihre Adventszeit. Fast wie bei einer klassischen Frühschicht trifft man sich für ca. 20 Minuten. Bei Skype‐Schichten nicht in einer kalten Kirche, sondern zu Hause mit Laptop am Schreibtisch, am Küchentisch oder im Bett.

6.30 Uhr: „Willkommen zur 2. Skype‐Schicht. Heute stellen wir den Tag unter das Thema „Konsum“. Ich möchte euch einladen mit dem Kreuzzeichen zu beginnen.“ Über die Videoübertragung sieht man, dass dieser Einladung gefolgt wird.

In diesem Jahr findet die dritte Ausführung statt und wie auch im vergangenen Jahr sind Teilnehmende aus ganz Deutschland und sogar Schweden, Österreich, Schweiz, Ecuador und Spanien dabei. Skype‐Schichten finden vier Mal dienstags in der Adventszeit statt. In diesem Jahr auch erstmals zusätzlich um 23.00 Uhr für alle, denen die Morgenstunden nicht in den Tagesablauf passen.

6.33 Uhr: „Heute haben wir einen Text von Erich Kästner mitgebracht: ‚Morgen, Kinder, wird´s nichts geben!‘“ Ein anderer Teilnehmer dieser Gruppe liest den Text vor. Währenddessen kann man in den Kerzenschein einer Kerze, die in einem Paket mit einem Begleitheft und kleinen Give‐Aways vorab für jede Frühschicht verschickt wurden, versinken oder beobachten wie die anderen Kerzen in der Videoübertragung wirken.

6.40 Uhr: Nach ein paar Worten der Moderation darf jede*r eine Fürbitte formulieren und diese entweder laut aussprechen oder für sich behalten. Anschließend werden diese Bitten im Vaterunser vorgebracht. An dieser Stelle wird Skype an seine Leistungsgrenzen gebracht: Da die Übertragung nicht ganz synchron ist, wird das Gebet besonders behutsam gesprochen, man spürt, wie alle aufmerksam aufeinander hören. Ein Schlussgebet mit Segen und Kreuzzeichen schließt die Skype‐Schicht ab.

6.50 Uhr: Alle wünschen sich einen schönen Tag und legen nacheinander auf.

Ein Internet‐Gottesdienst, bei dem man Gemeinschaft mal ganz anders erleben darf. Vielleicht merkt man genau das beim Vaterunser. So wie dieses Gebet alle Christ*innen weltweit zusammenbringt, vernetzt diese Skype‐Schicht Christ*innen in ganz Deutschland und teilweise sogar über die Grenzen hinaus. Eine tiefe Ebene, die auch durch die anspruchsvolle Form deutlich wird.

Oft gibt es die Rückmeldung, dass es eine total verrückte Idee sei. Wie kommt man darauf? Auf dem Fahrrad zur Verabschiedung des damaligen Kaplans und Pastoralreferenten in Haltern am See kam die Frage auf „Wie können wir die Frühschicht‐Tradition weiterführen, wenn wir bald in Aachen, Cloppenburg, Münster und Haltern am See verstreut sind?“. Beim Abschließen des Fahrrads vor der Kirche stand die Idee. Das noch fehlende Abschiedsgeschenk wird eine Skype‐Frühschicht, mit der wir den Kontakt und die Erfahrungen weiterleben lassen können. Im ersten Jahr mit einer kleinen Gruppe von sechs Personen gestartet, wuchs das Projekt im zweiten Jahr mit dem KjG‐Diözesanverband Münster auf 60 Teilnehmende und freut sich in der dritten Ausführung schon über 100 Teilnehmende. Es funktioniert, ist anders und ermöglicht neue Wege den Glauben zu leben.

Ein Projekt der KjG Diözesanverbände Münster, Paderborn, Aachen, Köln, Essen und Cross#Roads der jungen Kirche in Essen. Weitere Beteiligungen waren die KjG Diözesanverbände Rottenburg‐Stuttgart und München‐Freising.

Autor: Thiemo Koop

Thiemo Koop ist 24 Jahre alt, wohnhaft Münster, Student der Wirtschaftsinformatik, und KjGler.

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