72‐Stunden‐Aktion digital: Muss das sein? 

Sind auch schon digital unterwegs: Stoppi und Sabiene, die Maskottchen der 72-Stunden-Aktion
Sind auch schon digital unterwegs: Stoppi und Sabiene, die Maskottchen der 72‐Stunden‐Aktion

Die 72‐Stunden‐Aktion des BDKJ ist vieles: Sozialaktion, Werbung für Kirche, Spaßfaktor für die einen und Arbeitsfrust für die anderen. Vor allem aber ist sie ein fantastisches Beispiel für Vernetzungsarbeit. Was in 72 Stunden an Output gelingt, ist Resultat massiven Inputs im Vorfeld; Input insbesondere im Bereich des Netzwerkens.

Vernetzung müsste uns bei kirchens ja besonders am Herzen liegen: Wo ständig von „Gemeinschaft“ die Rede und Kommunion das höchste ist, ist der Schritt zur „Community“ nicht nur folgerichtig, sondern vermeintlich wesentlich. Umso verwunderlicher, dass Kirche und Netz sich immer noch in neugieriger Distanz zueinander befinden. Das gilt auch für die 72‐Stunden‐Aktion des BDKJ.

Wer die Sozialaktion plant und (noch) mit digitalen Projekten fremdelt, dem sei gesagt: Der Missionsauftrag Jesu „bis an die Enden der Erde“ zu gehen mit unserer Frohen Botschaft schließt das Netz ganz sicher mit ein. Vorausschauend (und vermutlich um im Bild zu bleiben) hat Er uns zu Menschenfischern machen wollen. Und die brauchen zweierlei zum Erfolg: Menschen (haben wir). Und Netz (haben wir nicht immer). Außerdem noch ein bisschen Mut, um über das Bewährte hinauszugehen. Das ist nicht lästig, sondern echtes Abenteuer! In Fall der 72‐Stunden‐Aktion heißt das: Programmieren ist das neue Betonmischen und Hacken das neue Bauzaun‐Stellen.

Die 72‐Stunden‐Aktion ist mehr als eine Zeitangabe. Sie ist das Erleben von Community im besten Sinn. Deshalb muss sie digital sein. Digital ist keine Alternative zu analog, sondern ein riesengroßes Tool, um Welt zu deuten, sich zu informieren, über Wunder zu staunen, Unendlichkeit zu erfahren und‐ und das ist Kern der Sozialaktion‐ sich mit Menschen zu vernetzen. Das sind unsere Themen. Wir sollten sie nicht anderen überlassen, nur weil uns das Digitale irgendwie fremd ist.

Während Politik noch überlegt, ob Digitalisierung eine eigene Zuständigkeit (in Form eines Ministeriums) braucht, können wir schon viel weiter sein. Wir können ganz praktisch zeigen, was Vorteile und Folgen von Digitalisierung sein können. Wir können in 72 Stunden dafür werben, dass digital sozial sein kann: Wir können Apps entwickeln, die Menschen das Leben erleichtern. Wir können unser Wissen frei zugänglich machen und einen Beitrag zur Bildungsarbeit leisten. Wir können Sozialräume verbildlichen. Wir können mit Menschen in Austausch treten, die gerade anderswo auf der Welt sind und mit ihnen kooperieren. Wir können Spiele programmieren und Kindern Politik verständlich machen oder spielerisch für Toleranz werben.

Ideen gibt es wie Sand am Meer:

  • Gestaltet eine Homepage für einen gemeinnützigen Verein.
  • Dreht einen Trickfilm „Was ist kritischer Konsum?“ und veröffentlicht ihn unter der Maßgabe, die größtmögliche Reichweite zu erzielen.
  • Dreht ein Musikvideo, das eines unserer Kernthemen zum Thema hat und nur mit vorgegebener Materialauswahl umgesetzt wird (KEINE Instrumente! Dafür PC mit Schnitt‐ und Mischprogramm und Alltagsgegenstände wie Kochlöffel, Tassen etc.).
  • Setzt ein generationenübergreifendes Projekt um, z.B. „Wie war Kirche(ngemeinde) früher?“ Erstellt dazu eine Dokumentation (bspw. mit Pageflow).
  • Hackt euer Bistum: Sucht digitale Lösung für ein Infrastrukturproblem in einer Pfarrei unter Berücksichtigung unserer Sinus‐Forschungen.
  • Setzt einen „digitalen Ort für Kinder“ um: Erstellt eine digitale Landkarte des Ortes für Kinder mit QR‐Codes an Orten, die auf am Ort durchführbare Spiele, Aktionen etc. verweisen.

Das alles können wir mindestens so gut, wie Beton mischen. Die Zeit läuft!

Autor: Katharina Goldinger

Referentin für politische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit beim BDKJ-Diözesanverband Speyer.

Ein Gedanke zu „72‐Stunden‐Aktion digital: Muss das sein? “

  1. Wir vom BDKJ Rottenburg‐Stuttgart stimmen dir Katharina voll zu. Auch wir sehen digitale Projekte als eine Chance sich zu vernetzen und voneinander zu lernen oder um digitale Kompetenz einfach weiterzugeben. Wir werden unsere Koordinierungskreis dazu anregen, dort wo es möglich ist und Sinn macht, digitale Projekte als Get‐It‐Variante zu organisieren. Und natürlich sind wir für digitale Projektideen von Aktionsgruppen, die sich eine eigene Do‐It‐Aufgabe stellen, offen. Diese können auf http://www.bdkj.info/72stunden eingetragen werden.

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