Digitalisierung und Familie, Teil 2: Digitalisierung des Alter(n)s

Nicht nur in der Arbeitswelt, auch im Familienalltag sind die (Aus-)Wirkungen der Digitalisierung zu spüren: Jung und Alt gestalten mit Hilfe digitaler Technik ihren Alltag, sind in digitale Medien eingebunden und halten darüber Kontakt zu Freunden, Bekannten und auch zu ihren Familienmitgliedern. Doch muss sich der Familienalltag den Auswirkungen der Digitalisierung vollständig anpassen? Wie steht es um die Digitalisierung des Familienlebens?

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Familiengeräte
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Nicht nur Kinder und ihre Eltern kommen mit den Folgen der Digitalisierung in Berührung: Auch Großeltern setzen sich mit Themen der digitalen Entwicklung auseinander. Nach aktuellen Studien hat sich der Anteil an Personen, die über 60 Jahre alt sind und mehrmals täglich online im Internet surfen, binnen eines einzigen Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Darauf reagieren auch zahlreiche Unternehmen und Verbände. So unterstützt beispielsweise die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) ehrenamtliche „Internet-Lotsen“ mit einem ausführlichen Online-Angebot und engagiert sich beim „Goldenen Internetpreis“, mit dem unter anderem ehrenamtlich Engagierte und Kommunen ausgezeichnet werden, die Angebote entwickeln, um ältere Mitbürger für das Internet zu begeistern.

Eine große Bedeutung kommt der Weiterentwicklung der digitalen Technik zudem im Bereich der Pflege zu. Seit einigen Jahren sind etwa Geräte Bereich „Telemonitoring“ bekannt. Sie ermöglichen Ärzten eine Fernuntersuchung: Patienten werden mit Geräten zur Messung von Vitaldaten ausgestattet (etwa Gewicht, Puls, Blutdruck), die dazu in der Lage sind, die erhobenen Daten direkt an eine Pflegestation oder den zuständigen Hausarzt zu übertragen. Auch wird sogenannte emotionale Robotik bereits seit Jahren erfolgreich in der Pflege eingesetzt. Die Roboter sollen in erster Linie Gesellschaft leisten. Sie haben häufig die Form von Tieren, können entsprechende Laute geben und sind mit Sensoren bestückt. Solche Roboter animieren zur Bewegung, veranlassen Emotionen und kommen dem allgemeinen Gesundheitszustand von Pflegebedürftigen zu Gute.

Relativ neu sind zudem Apps, die zur Aktivierung eingesetzt werden. Auch gibt es Apps, die im Rahmen von Biographiearbeit genutzt werden können. Dies ist besonders für Demenzkranke von großer Bedeutung, um einen Bezug zur sozialen Umwelt aufrecht zu erhalten. Bereits eingesetzt werden zudem „intelligente Matratzen“, die die Liegeposition von Personen erkennen und eigenständig Empfehlungen für eine Umlagerung bereitstellen. Integrierte Sensoren erfassen zudem Veränderungen in der Druckverteilung und Körperstellen können gezielt stimuliert werden. Alle Informationen werden am Pflegebett angezeigt und automatisch in die Pflegedokumentation integriert. Entsprechende „intelligente Matratzen“ sollen die Durchblutung von Pflegebedürftigen fördern und die Entstehung eines Dekubitus (Schädigung der Haut und des Gewebes durch längere Druckbelastung, die die Durchblutung stört) zeitlich hinauszögern.

Morgen geht es weiter mit Teil 3: Eine Studie des Kolpingwerks

Autor: Michael Hermes

Dr. Michael Hermes ist Referent für Familienfragen und generationenübergreifende Verbands- und Zielgruppenarbeit des Kolpingwerks Deutschland.

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